Zugschlittenrennen 2019

17. Februar 2019
Verein

"Gol & Bande" und FF Thürnstein teilen sich den Sieg

Der Klassiker Zugschlittenrennen zog 1000 Besucher an - Ein Husarenritt von 17 Besatzungen

Zugschlittenrennen waren früher im Bayerischen Wald vor allem als Holztransportmittel von Bedeutung. Die vorne nach oben verlängerten Kufen dienten als Haltegriffe zum Lenken und Ziehen. Die oft waghalsigen Fahrten waren fürwahr nicht ungefährlich. Aufgrund des mühseligen Aufstiegs wurden sie möglichst schwer beladen. Die Abfahrt mit erheblichem Gewicht glich dann einem Höllenritt, denn gut lenken ließen sich die Gefährte selten. Nicht anders erging es den waghalsigen "Piloten" der geschichtsträchtigen Kufenflitzer, die am Sonntag, 17. Februar, in Schwarzenbach zum vierten Gaudirennen am oberen Dorf antraten. "Gol und seine Bande" konnte zwar seinene Spitzenplatz behaupten, preschte aber exakt mit derselben Zeit wie die Funktionäre der FF Thürnstein über die Ziellinie, sodass es erstmals eine Doppelspitze gab.

Wie nicht anders erwartet hatte sich der "Zimmerfranzn Hermann" zusammen mit seiner Familie als Vorläufer wieder einen besonderen Gag ausgedacht. War er vor zwei Jahren noch als Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Tal gebraust, baute er diesmal einen Zugschlitten zu einem Drehleiterfahrzeug mit Martinshorn um und bretterte damit in die Zielarena. Aber damit nicht genug, denn das viel belachte und bestaunte Fahrzeug eröffnete auch noch den Löschangriff.

Nach diesem furiosen Start hieß der stellvertretende Vorsitzende Stefan Neumaier namens der veranstaltenden Feuerwehr Lohberg auf seinem Hochsitz, der als Sprecherkanzel diente, um die tausend Besucher bei strahlendem Sonnenschein willkommen. Die Frühlingssonne hatte bereits solche Kraft, dass reihenweise Mützen und Jacken abgelegt wurden. In Verbindung mit dem glitzernden Schnee der kalten Frostnächte war dies unbestritten eine Wohltat für das Gemüt, wenn auch die Rennbahn mit der Zeit etwas aufweichte. Allerdings senkte dies die Unfallgefahr, denn ein spiegelglatter Untergrund hätte die Geschwindigkeiten sicherlich noch in die Höhe schnellen lassen und die Manövrierfähigkeit erschwert.

Waghalsige Talfahrt

Start war diesmal mitten in der Waldschneise, wohin die Besatzungen ihre Schlitten eigenhändig ziehen mussten. Neben "alten Hasen", die schon einige Erfahrung mit solchen Transportfahrzeugen hatten, war jede Menge "frisches Blut" am Start, das schon bei den Probeläufen bemerkt hatte, dass das Abenteuer bei hoher Geschwindigkeit leichter aussah, als es war. Nach dem Startschwung bedeutete die Doppelkurve eine erste Herausforderung. Die Talfahrt mündete auf dem letzten Teilstück in eine für die Zuschauer gut einsehbare Wiese. Bürgermeister Franz Müller hatte als Grundstücksbesitzer seine Zusage zur Überlassung der Piste gegeben, half die Tage zuvor und am Renntag mit dem entsprechenden Maschinenpark tatkräftig bei der Präparierung der Rennbahn mit. FFW-Vize Stefan Neumaier war es deshalb ein besonderes Anliegen, dem Rathauschef, den Schwarzenbacher Dörflern und den FFW-Kameraden, die mustergültig zusammengearbeitet hatten, zu danken.

Das Naturtalent zählte

In der 90° Kurve vor der Sprecherkanzel wurde die Stabilität der Schlitten, das Geschick des Steuermanns in Verbindung mit der Gewichtsverlagerung des Teams auf eine arge Probe gestellt. Kaum hatten die Mannschaften dies gemeistert, folgte ein abrupter Stop zu einer gemeinsamen "Holzski"-Runde, bei der Stürze unvermeidbar waren. Eigentlich waren die Besatzungen auf Holzsägen mit einer Uralt-Baumsäge eingestellt. Die Änderung der Aufgabenstellung wurde den Teams bis zuletzt verschwiegen, damit sie sich nicht darauf vorbereiten konnten, sondern das reine Naturtalent zählte. Beim zweiten und entscheidenden Durchgang entfiel diese Zusatzprüfung.

Im Zielbereich herrschte mit DJ Wastl Stimmung wie auf einer Après-Ski-Party. Die Floriansjünger hatten als Gastgeber die Verkostung bestens im Griff. Nach einem spannungsgeladenen zweiten Lauf zog sich das Rennkomitee kurz zur Beratung zurück, weil es einen Doppelsieg zu vermelden gab. Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit sahen die Verantwortlichen von einem Stechen ab und teilten sowohl die Siegprämie von 200 Euro und die Kisten Gerstensaft für Rang zwei auf. Auf die Drittplatzierten warteten Brotzeitkörbe und für das einzige Frauenteam gab's Pralinenschachteln. "Wir sind wieder froh, dass nichts passiert ist", schloss Stefan Neumaier die Siegerehrung.

Die Ergebnisse:

 1. FFW Thürnstein / 2:46 Min.
 1. Gol und seine Bande / 2:46
 3. Schweinstirol 1 (FF Arrach) / 2:47
 4. Schleifara Hamewiascht / 2:48
 5. Kroner Benjamin und Stoaacker Schwirza / 2:49
 6. Hochgebirgs Kampfschlittengeschwader (FF Haibühl) / 2:55
 7. Team Hutter / 3:00
 8. Bouchabichei 2 / 3:04
 9. Kastlmaina (FF Lam) / 3:12
10. Fuchshaiara / 3:16
11. Team Gartenzaun / 3:17
12. Arracher Wintergewitter / 3:24
13. Bouchabichei 1 / 3:31
14. Hoadorfa Saubärn (Bischofsmais) / 3:37
15. FFW Thürnstein Damen / 3:52
16. Saiwaschbegga / 3:59
17. Da jung Stojl und Schneidaberga / 4:19

Die Schlusslichter erwartete ein Kranz Schwarzwurst.


(Bericht Maria Frisch, Kötztinger Zeitung / Fotos FF Lohberg)